Eindrücke



Pressebericht zum Herbstlehrgang aus der "Karate Aktuell 3/2002":

Zweiter Ryu Shukai in Dortmund

Eine interessante Mischung engagierter Referenten und Trainer hatten sich am 16. und 17. September im Gebäude des TSC Eintracht Dortmund eingefunden, um den ca. 120 Teilnehmern des zweiten Ryu Shukai (Treffen der Stile) eine große Auswahl an Trainingsmöglichkeiten zu bieten.

Bei der Kumite-Trainingseinheit
Das Kumitetraining machte den Anfängern viel Spaß!     Foto: Kuhnen
Mit Wolfgang Henkel, Sonja und Olaf Edsen, Tünde Kovacs, Holger Keßling, Nguyen Phong, Achim Keller und Johanna Freitag waren einige Promis des KDNW versammelt. Uwe Portugall war zwar eingeplant, konnte aber wegen Kampfrichterarbeit in Minsk nicht dabei sein und ließ sich von Till Wüskamp vertreten. Neben Shotokan und Goju Ryu gab es auch noch Einheiten im Tang Soo Do (Koreanisches Karate) bei Michael Piel und HK Ryu bei Horst Kallinowski, der eher straßentaugliche Selbstverteidigungzeigte. Unterstützt wurden die Hauptreferenten durch Angelika Balaj, Claudia de Almeida und Dietrich Stange.
Dojoleiter Wolfgang Stramka hielt während der gesamten Veranstaltung die Fäden in seiner Hand und hatte mit seinem hilfsbereiten Team immer eine passende Lösung für alle möglichen Probleme der Teilnehmer.

Los ging's am Samstag mit einer knackigen Einheit Tae Robic Kick Bo. Man sah schnell, dass die Karateka eher an starkes Kime und gezählte Kommandos gewöhnt waren als an fette Dancefloor-Beats und schnelle Jabs.
Nach einer knappen halben Stunde bei Angelika Balaj war die Auswahl der nächsten Trainingseinheit nicht so leicht - wie gut, dass die Organisatoren eine Vorauswahl nach Gürtelfarben getroffen hatten. Besonders gefragt war das Kumitetraining bei Wolfgang Henkel, auch Till Wüstkamp konnte die Teilnehmer ins "Hirn-Schwitzen" bringen. Er zeigte Goju-Ryu typische Partnerformen, die sich auch in den Katas wieder finden.

Horst Kallinowski
Horst Kallinowski vom HK Ryu     Foto: Kuhnen
Denjenigen, die sich von den Fußtritten im Tang Soo Do große Neuigkeiten erhofft hatten, wurde schnell klar, dass diese sich von Goju- oder Shotokan-Tritten eigentlich nicht unterscheiden.
Im Seminarraum war nicht genug Platz, deswegen wurde dann die PNF-Sitzung schnell in eine weitere leere Halle verlegt. Was PNF ist? Propriozeptive neuromuskuläre Faszilitation. Es handelt sich dabei um eine physiotherapeutische Methode zur Verbesserung des Bewegungsablaufs. Ganz grob verkürzt erklärt. Es geht um Rezeptoren, die sich an allen Gelenken befinden, in enger Kommunikation mit dem Gehirn stehen und damit die Koordination steuern. In der PNF sollen diese häufig verkümmerten Rezeptoren neu aktiviert bzw. deren Funktion verbessert werden. Die eingeladene Claudia de Almeida hatte regen Zulauf und verstand es, den Interessierten neue Knoten in die Hirnwindungen zu stricken. Bei ihren Koordinationsübungen erschien das Erlernen einer neuen Kata fast schon als großes Entspannungsprogramm!
Während der Mittagspause hatte Horst Kallinowski die große Halle zur Verfügung, die mit Tatamis ausgelegt war. Die Einheit war voll, anscheinend war der Hunger der Teilnehmer doch noch nicht so groß. Mit viel Humor und praktischen übungen zeigte Horst, wie man sich mit wenig Krafteinsatz auch gegen größere Gegner in Gefahrsituationen durchsetzen kann.

Stramka in ungünstiger Position
Dojoleiter Wolfgang Stramka in ungünstiger Position...     Foto: Kuhnen
Nachmittags kamen als Referenten noch Achim Keller, Johanna Freitag und Ngyuen Phong dazu. Johanna und Phong gaben Einheiten in Kata und Kumite, Achim leitete ein Seminar zum Thema Koordination und Reaktion. Hier trafen sich vor allem Trainer und übungsleiter, um ihr Wissen noch mal zu schärfen. Später gaben Achim und Nicole Mieth noch eine Einheit für Kinder, die auch für die Erwachsenen, die auf der Tribüne zugeschaut haben sehr interessant war. Es ist gut vorstellbar, dass die Koordinationsübungen, die Achim für die Kids vorbereitet hatte, auch für Erwachsene sehr schwer umzusetzen sind.

Unterricht bei Stange
Dietrich Stange beim Unterricht.     Foto: Stramka
Auch am Sonntag war noch einiges los. Allerdings wurde aufgrund der bedeutend geringeren Teilnehmerzahl einiges umgestellt. Nguyen Phong leitete die Einheit der Unter- bis Mittelstufe und ließ alle tüchtig beim Kata-Training schwitzen, während Tünde Kovacz die Oberstufe beim Kumite ins Schwitzen brachte. Die theoretische Einheit von Physiotherapeut Dietrich Stange war am Vormittag gut besucht und wurde sicher von vielen genutzt, die schon am Vortag richtig Gas gegeben hatten! Im zweiten Teil durften sich die letzten Hartgesottenen noch mal beim Tae Robic Kick Bo bei Angelika Balaj austoben, die für die erkrankte Steffi Waida eingesprungen war.
Sonja und Olaf Edsen sorgten dann auch noch mal für Bewegung. Sonja erarbeitete mit der Oberstufe die Shotokan Kata Meikyu, während Olaf den restlich übriggebliebenen beim peripheren Sehen und mit einigen Spielgeräten die letzten Reserven entlockte.

Eröffnung der Trainingseinheit durch Henkel
Wolfgang Henkel eröffnet seine Trainingseinheit.     Foto: Kuhnen
Den letzten Teil bildete dann die Einheit bei Wolfgang Henkel, der die Biomechanik im Training von der praktischen Seite beleuchtete. Hier waren immer noch ca. 25 Aktive dabei. Nach der abschließenden Prüfung (Shotokan und Goju Ryu) sowie dem Aufräumen der Traininghallen und Unterrichtsräume waren auch die Organisatoren froh, dass der Abend noch ein paar freie Stunden übrig ließ.
Das Organisationsteam hatte einen Lehrgangsbewertungsfragebogen erstellt, der nur wenige Kritikpunkte herausgestellt hat, um die man sich im nächsten Jahr besonders bemühen wird.

Der Ryu Shukai ist ein rundum klasse Lehrgang gewesen, den ich allen Interessierten im Verband ans Herz legen möchte - auch 2003 soll er wieder stattfinden, und es wäre toll, noch mehr Teilnehmer begrüßen zu können.

Für jeden war etwas dabei!

Judith Kuhnen, Karate Aktuell, 3. Ausgabe, 2002, 13. Jahrgang.

Ryu-Shukai Lehrgang 2002

2. Ryu Shukai Lehrgang mit Horst Kallinowski beim TSC Eintracht Dortmund

Was heißt aber Ryu Shukai? Also etwas zur Enstehungsgeschichte!

Nach dem Jubiläumslehrgang der Karateabteilung des TSC Eintracht Dortmund im Oktober 2001 dachte man sich, so etwas darf nicht einfach so stehengelassen werden - geboren war ein neuer Lehrgang.

Abwehr eines Stockangriffs
SOKO-Ausbilder Horst Kallinowski zeigt Selbstverteidigungstechniken.

Für den Jubiläumslehrgang hatte man schon vesucht, die Leute aus Goju Ryu, Shotokan und HK Ryu und anderen Stilen auch mal nach links und rechts schauen zu lassen. Schon im letzten Jahr waren mit Horst Kallinowski (9. Dan HK Ryu), Wolfgang Henkel (3. Dan Shotokan, Weltmeister), Horst Nehm (5. Dan Goju Ryu) und viele weitere hochkarätige Kampfkünstler und Kampfsportler mit von der Partie. Die Idee aus dem ersten Jahr wurde also übernommen, nur ein neuer Name mußte her: Ryu Shukai übersetzt " das Treffen der Stile".

Neu war dann auch der Begegnungsraum, der schön asiatisch dekoriert war, in dem man kostenfrei Tee oder Obst zu sich nehmen konnte oder die Ruhe dort genießen und in einem der vielen dort ausliegenden Büchern zu stöbern.

Jede Gürtelklasse (9-7. Kyu / 6-4. Kyu / 3. Kyu / Dan) konnte an dem Wochenende, unterteilt in die jeweiligen Graduierungsstufen, mindestens sieben Mal je eineinhalb Stunden lang schwitzen und sich dabei andere Stile schauen. Neben den praktischen Einheiten aus Shotokan, Goju Ryu, HK Ryu und Tang Soo Do wurden auch theoretische Einheiten angeboten. Claudia de Almeida (Physiotherapeutin) referierte über PNF, Achim Keller (5. Dan Shotokan u. Ausbildungsreferent Karatedachverband NW.) referierte über Koordination und Reaktion und Dietrich Stange (Physiotherapeut) referierte am Sonntag Morgen über funktionelles Training im Kampfsport.

Wer dem 'theoretischen Kram' nichts abgewinnen konnte, durfte sich dann auch bei Angelika Balaj, die kurzfristigst für Steffi Waida einspringen mußte, beim Tae Robic Kick Bo austoben. Nach den Trainingseinheiten bei Achim, Wolfgang Henkel, Nyugen Phong, Till Wüstkamp und Michael Piel waren das Highlight natürlich die beiden Trainingseinheiten bei Horst Kallinowski - dementsprechend voll war auch die Halle. Horst präsentierte äußerst effektive Wege der Selbstverteidigung und versetzte die Teilnehmer immer wieder in Erstaunen.

Paralell dazu zeigte Achim wie man das Training für Kinder und Jugendliche mit Gürteln phantasievoll gestalten kann. Am Sonntag holten Tünde Kovacs (ehemals Kader DKV), Nyugen Phong, Wolfgang Stramka sowie Sonja und Olaf Edsen noch die letzten Aktivitätspotentiale heraus, denn am Samstag war natürlich auch eine Lehrgangsparty. Olaf zeigte beim Seminar über 'peripheres Sehen' weitere Trainingsmöglichkeiten beim Kumite auf, während Sonja die Kata 'Meikyu' im Programm hatte.

Das Ryu-Shukai war auch in diesem Jahr von der Atmosphäre bis zur Organisation eine gelungene Veranstaltung, die wir im nächsten Jahr aber noch weiter verbessern möchten. Im Herbst 2003 sind wir wieder für Euch da.

Wolfgang Stramka